Prinzipal (Gm 7116-26)

Entstehung: Die Sorte Prinzipal entstand 1971 durch eine Kreuzung zwischen dem Zuchtstamm Gm 323 58 und Ehrenfelser. Gm 323 58 wiederum ist eine Kreuzung zwischen Seibel 7053 und Riesling Klon 237 Gm. Da auch Ehrenfelser eine Riesling-Kreuzung darstellt, hat Prinzipal Riesling gleich mehrfach im Stammbaum. Diese Abstammung wird sowohl bei der Sorte wie auch bei ihren Geschwistern sehr deutlich. Sie zeichnen sich durch sehr duftige, fruchtige Weine, mit viel Riesling-Charakter aus. Es war keineswegs einfach, aus der Vielzahl sehr ähnlicher Zuchtstämme den Stamm Gm 7116-26 auszulesen, denn auch die Geschwister zeichneten sich durch gute Eigenschaften aus. Doch letztendlich zeigte sich der Zuchtstamm Nr. 26 überlegen. Im Namen der Sorte kommt diese leichte Überlegenheit noch zum Ausdruck.

Bisherige Erfahrungen: Die Sorte Prinzipal überzeugt vor allem durch ihre Leistungsdaten. Das mittlere Mostgewicht in den Jahren 1986 bis 1994 lag bei 97 °Oe, bei einem guten Ertragsniveau von 131 kg/ar und 10,1g/l Mostsäure. Daneben fällt die sehr gute Winterfrostfestigkeit und der geringe Botrytisbefall von nur 13 % auf. Die Weine der Sorte zeichnen sich stets durch eine sehr duftig frische, fruchtige Note aus. Bei Proben findet die Rieslingart der Sorte immer wieder große Anerkennung und hat zu einem zunehmenden Interesse an der Sorte vor allem in Riesling-Anbaugebieten geführt, wo es neue Sorten erfahrungsgemäß sehr schwer haben. Leider hat diese Sorte auch ihre Schwächen. Die Widerstandsfähigkeit gegen Oidium und Peronospora ist in den meisten Jahren und Standorten ausreichend, so daß auf eine Pflanzenschutzanwendung verzichtet werden kann. Bei stärkerer Oidium-Gefährdung reichen 1 bis 2 Schwefelbehandlungen kurz vor bzw. nach der Blüte zur Unterstützung der pflanzeneigenen Abwehrkräfte aus. Auch Peronospora kann mit maximal 1 bis 2 Fungizidbehandlungen, selbst bei starkem Befallsdruck, wirksam kontrolliert werden. Hier erscheint es jedoch sinnvoller, dem Problem durch die Wahl offener, schnell abtrocknender Lagen zu begegnen. Unter diesen Standortbedingungen sind wegen des geringeren Befalldrucks die pflanzeneigenen Abwehrmechanismen der Sorte ausreichend. Prinzipal könnte deshalb vor allem an schwer zugänglichen Steillagen eine arbeitswirtschaftlich interessante Alternative bieten. Auch wegen ihres riesling-ähnlichen Weines scheint sie hierfür gut geeignet zu sein. Zusammenfassend kann man für die Sorte Prinzipal (Gm 7116-26) feststellen, daß sie in der Lage ist, mit wenig oder - bei geeigneter Standortwahl - sogar ohne Fungizidbehandlung hochwertige, riesling-ähnliche Weine zu produzieren.

Tabelle: Erntedaten der Sorte Prinzipal in den Zuchtquartieren des Fachgebiets in Geisenheim. Standraum: 1,6 x 1,3 m. Anschnitt: 5-6 Augen/m².

Beobachtunszeitraum: 1986 bis 1999
Erntedatum: 23. Oktober Ertrag: 106 kg/ar
Mostgewicht: 95 °Oe Botrytis: 18 %
Mostsäure: 10,6 g/L Stiellähme: 4 %
Most-pH: 3,08 Erdtrauben: 0 %

ã Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung Forschungsanstalt Geisenheim - Mai 2000