Primera (Gm 341 58)

Entstehung: Die Sorte entstand 1952 am Institut für Rebenzüchtung und Rebenveredlung in Geisenheim aus Kernen eines Zuchtstammes, der einer F2 eines 1942 entstandenen Zuchtstamms [(Silvaner x Riesling) x (Riesling x Silvaner)] entstammt. Da es sich dabei um offen abgeblühte Gescheine handelte, ist die Vatersorte und damit auch die Herkunft der Resistenz unge-wiß. Vermutlich handelt es sich dabei um Seibel 7053 oder eine verwandte Sorte mit ähnlich hoher Resistenz. Hierauf weist bereits die hohe Pilzwiderstandsfähigkeit dieser Sorte hin.

Bisherige Erfahrungen: In den ungespritzten Zuchtquartieren Geisenheims wurde an den Blättern oder Trauben dieser Sorte in allen Versuchsjahren kein oder höchstens ein geringer Peronospora-Befall festgestellt. Gleiche Ergebnisse wurden an den Trauben auch bezüglich Oidium beobachtet. Ein mittlerer Oidium-Befall am Blatt wurde nur in einem einzigen Jahr (1988) festgestellt. Die Beobachtungen von Winzern, die Primera im Versuch anbauen, decken sich mit den Erfahrungen des Fachgebiets. Das heißt, die Sorte Primera kommt - von Extrembedingungen abgesehen - unter Praxisbedingungen in Deutschland ohne Fungizidbehandlung aus. Daneben besitzt die Sorte sehr gute Winterfrostfestigkeit, eine mittlere Wüchsigkeit und ähnelt in ihrer Wuchsform dem Riesling. Die Anfälligkeit der Trauben für Botrytis ist gering. Die Weine der Sorte sind neutral mit einer feinen Fruchtnote und frei von Fremdtönen. Der Wein könnte deshalb als etwas fruchtiger Silvaner angesprochen werden. Hauptnachteil der Sorte ist ihre späte Reife und dadurch bedingt ein geringes Mostgewicht. In den Jahren 1986 bis 1997 erreichten die Trauben der Sorte im Mittel 81°Oechsle, bei einem durchschnittlichen Lesedatum am 21. Oktober. Der Silvaner brachte bei vergleichbarem Ertrag bereits 10 Tage früher 6°Oe mehr, allerdings bei 25 % Botrytisbefall. Primera ist deshalb sicherlich nur für bessere Lagen geeignet. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß Primera (Gm 341 58) eine sehr pilzfeste, im Weinberg unproblematische Sorte mit höheren Lageansprüchen für die Produktion feinfruchtiger, leichter, silvaner-ähnlicher Weine ist.

Tabelle: Erntedaten der Sorte Primera in den Zuchtquartieren des Fachgebiets in Geisenheim. Standraum: 1,6 x 1,3 m. Anschnitt: 5-6 Augen/m².

Beobachtunszeitraum: 1978 bis 1999
Erntedatum: 20. Oktober Ertrag: 148 kg/ar
Mostgewicht: 81 °Oe Botrytis: 14 %
Mostsäure: 8,0 g/L Stiellähme: 1 %
Most-pH: 3,09 Erdtrauben: 1%

Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung, Forschungsanstalt Geisenheim